Fairphone: ein fair und transparent produziertes Smartphone

… und das Fairphone ist nach Angaben der Hersteller fair zu allen: Menschen und Umwelt, sowohl auf Seite der Hersteller und den Menschen, die für die Herstellung oder deren Rohstoffe arbeiten, als auch für die Nutzer, die hier möglichst offene und nachvollziehbare Technologie geliefert bekommen.

Mit ungefähr 325 Euro ist es eigentlich auch absolut fair zum Geldbeutel, wenn man sich ansieht, was Apple oder Samsung für ihre aktuellen Modelle aufrufen, und da geben die wesentlich mehr Geräte in Auftrag als das Fairphone-Team.

Ich habe momentan noch ein funktionierendes Smartphone (HTC), aber dieser Eintrag ist gleichzeitig als Erinnerung gedacht, wenn ich mir doch ein neues anschaffen möchte, schon allein wegen der möglichen Dual-SIM-Option. Ansonsten ist hier auch ein Quad mit 16GB internen Speicher am laufen. Bis dahin gibt es sicher auch noch ein paar Leistungs- und Nutzertests zu diesem Gerät.

Dass sich das Team wirklich Gedanken macht, kann man sehr gut auf der Seite und auch im Blog nachvollziehen, denn auch Transparenz zu Rohstoffen, Lieferwegen und Produktionsfabriken steht auf der Agenda, also all das was man immer von den großen Herstellern fordert, was die aber angeblich nicht leisten und vollständig kontrollieren können:

Chemnitzer Linuxtage 2013 am Wochenende 16. & 17. März

Chemnitzer Linux-Tage 16./17. März 2013

Auch dieses Jahr möchte ich kurz auf die Chemnitzer Linuxtage hinweisen, die wieder ein volles Programm im Bereich Linux und (Free Libre) Open Source Software haben. Einige der Themen:

Neben weiteren Vorträgen gibt es noch Workshops zu Inkspace, LibreOffice, Python & Django, LaTeX, Rasperry Pi und mehr. Wer nicht direkt vor Ort sein kann, hat die Möglichkeit per Audio- oder Videostream teilzunehmen.

Artikel über RDFa im Screenguide #17: Semantischer Zucker für Webworker

Cover Screenguide #17

Im aktuellen Screenguide-Magazin #17 für Webprofessionals & Designer ist ein Einführungsartikel zu RDFa 1.1/Lite vom mir erschienen. Das Heft ist ab 18.3. in allen Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen erhältlich, Abonnenten haben es evtl. sogar schon heute im Briefkasten.

Thematisch und konzeptionell kratzt der Artikel natürlich nur an der Oberfläche, wie sich das für Einführungsartikel gehört :) — die Anwendung von RDFa innerhalb von Webseiten und der Vorteil von semantischen Annotationen wird über ein einfaches Beispiel vermittelt. Ich hoffe, dass ist mir gelungen.

Zum Artikel gehören auch 3 recht ausführliche Codebeispiele, die ich als Gist bei Github hinterlegt habe. Diese Beispiele werde ich in den nächsten Tagen nochmal etwas ausführlicher kommentieren und um ein paar mehr Anwendungsfälle erweitern.

Ein kleiner Teil des Artikels kann in der Leseprobe von Ausgabe 17 des Screenguide-Magazins angelesen werden.

Rückmeldungen zu Fehlern und Fragen sind gerne gesehen und werden dann entsprechend hier als Updates vermerkt.

Der Hauptschwerpunkt der aktuellen Ausgabe ist Qualitätsmanagement im Bereich Webentwicklung.

#Leistungsschutzrecht auf Irisch

Iren und Deutsche scheinen sich ihr Drinkverhalten zu teilen, auch die Verleger und Zeitungsindustrie konsumieren wohl denselben Stoff. Derzeit möchte die NNI gerne Lizenzgebühren auf Links zu Seiten und Artikeln ihrer Klienten erheben.

> They were quite clear in their demands. They told Women’s Aid “a licence is required to link directly to an online article even without uploading any of the content directly onto your own website.” 2012: The year Irish newspapers tried to destroy the web (McGarr)

Laut McGarr Solicitors soll ein Link je nach Abnahmevolumen zwischen 27 und 50 Euro kosten. Und hier sind keine Links gemeint, die andere Ressourcen einbetten, z.B. über src="http://example.com/bild.jpg", sondern einfache Textlinks zu anderen Dokumenten im Internet, unabhängig vom Text des Links (also auch “Hintergünde bei XYZ” oder “mehr dort”).

Natürlich gibt es auch ein Statement der NNI zum Thema, in natürlich klar gestellt wird, dass Links in der Sichtweise der NNI eine Urheberrechtsverletzung (bzw. Copyright Infringement) darstellen, aber dass es hier nur um Lizenzen für kommerzielle Anbieter geht, privat dürfen Links ohne Gebühren gesetzt werden.

Leider ist das nur schwer zu trennen. Ist mein Techblog nun privat, weil ich kein Geld damit verdiene, oder ist es ein Teil meiner freien Entwicklertätigkeit (z.B. als Werbung für mich) und damit ein kommerzielles Angebot und lizenzpflichtig.

Zudem stehen die Einschätzungen kommerziell/privat (E1) und Urheberrechtsverletzung/keine Urh.-verletzung (E2) nicht in Verbindung wie auch die NNI zugibt:

> It is important, in fairness to us and our members, to specifically note here that the submission made on behalf of NNI to the Copyright Review Committee also expressly recognised that there is a distinction between the sending and receipt of links for personal use on the one hand and the sending and receipt of links for commercial purposes on the other (despite the fact that the same legal principles apply to both). Statement on Behalf of National Newspapers of Ireland (NNI)

Das bedeutet, wenn kommerzielle Anbieter in Zukunft aufgrund einer gesetzlichen bzw. richterlichen Einschätzung bezüglich “urheberrechtsverletzende” Links Gebühren zahlen müssen, dann gilt das eigentlich vor dem Gesetz auch für private Anwendungen, d.h. es sind auch Gebühren bei privater Verlinkung möglich. Und wenn die NNI bei ihrem Versprechen bleibt, nicht für private Links zu kassieren, kann das trotzdem jemand anderes tun. Die Büchse der Verlinkungsgebührenpandorra wäre geöffnet.

Wenn das wirklich Realität wird, dann können wir das Internet wirklich für tot erklären, denn Links sind die Killerapplikation des Web 1.0 bis 3.0, die alles erst möglich gemacht hat. Ohne Links als Teil einer freien Kommunikationskultur gibt es kein Internet!

Man wünschte sich wirklich, dass über Nacht alle Links zu Seiten irgendwelcher Verlagsangebote verschwinden würden. Keine Links zu Onlineangeboten von Zeitungen in Sozialen Netzwerken, privaten Seiten, Aggregatoren oder eben bei Suchmaschinen. Dann könnten alle Unterstützer der irischen NNI oder eben des deutschen Leistungsschutzrechtes in ihrem so geschaffenen Intranet untergehen. Würde im Besten Falle kein Außenstehender bemerken, denn ein Link zum Untergang wäre ohne Lizenzgebühr illegal :)

Was Tim Berners-Lee wohl zu diesem Thema sagen würde? Achso, das hat er ja schon, 1997, also vor ca. 16 Jahren:

> The ability to refer to a document (or a person or any thing else) is in general a fundamental right of free speech to the same extent that speech is free. Making the reference with a hypertext link is more efficient but changes nothing else. […] Users and information providers and lawyers have to share this convention. If they do not, people will be frightened to make links for fear of legal implications. […] Myth one: “A normal link is an incitement to copy the linked document in a way which infringes copyright” (TBL)

Insofern noch ein kleiner Lesebebefehl an alle Verleger, Politiker und Anwälte:

PubwichFork im Screenguide #15 und warum FLOSS nicht totzukriegen ist

In der aktuellen Ausgabe 15 des Screenguide Magazins wird auch ein Screenshot eines Social Media Newsroom gezeigt, welcher mit PubwichFork realisiert wurde. Leider das freie Softwareprojekt für tot erklärt, was natürlich Quatsch ist. Im Gegensatz zu proprietärer Software kann Software mit freien Lizenzen auch überleben, wenn der Entwickler nicht mehr aktiv ist.

Michael Zinkl von EQS beschreibt im Artikel “Website als Newsroom” Möglichkeiten, um (Firmen-) Aktivitäten innerhalb von Sozialen Netzwerken auch wieder auf der eigenen Webseite zu präsentieren und dadurch auch mehr Möglichkeiten bei der Präsentation dieser Inhalte zu haben. Der im Artikel beschriebene Ansatz beinhaltet das Sammeln der einzelnen Aktivitäten über die von den verschiedenen Social Media Services zur Verfügung gestellten Schnittstellen wie REST-APIs und RSS-Feeds. Auch der Newsroom von Troisdorf, welcher mit PubwichFork realisiert ist, wird als Beispiel im Artikel mit einem Screenshot vorgestellt.

Als softwareseitige Unterstützung zum Aufbau eines eigenen Newsrooms wird unter anderem der Social Media Newsroom der EQS Group vorgestellt. Auch Pubwich wird kurz erwähnt, leider nur mit folgender Aussage, die falsch ist:

Pubwich ist eine Open-Source-Alternative, die kostenlos zur Verfügung steht, jedoch seit 2010 nicht mehr weiterentwickelt wird.

Es ist zwar richtig, dass sich der ursprüngliche Autor und Gründer des Pubwich-Projekts seit 2010 aus der aktiven Entwicklung zurückgezogen hat, deswegen ist Pubwich aber noch lange nicht tot. Seit Mai 2011 gibt es einen Fork von Pubwich, welcher weiterhin aktiv entwickelt wird. PubwichFork steht kurz vor der Veröffentlichung von Version 2.1. Dies hätte man auch leicht über Google oder im Github-Profil von Pubwich herausfinden.

Ich möchte hier niemanden unterstellen, dass die FLOSS-Alternative im Bereich Social-Newsroom-Software für tot erklärt wird, um das eigene proprietäre Produkt besser promoten zu können. Ich gehe eher davon aus, dass leider einfach immer noch nicht die Vorteile von quelloffener Software unter freien Lizenzen verstanden wurden.

Im Gegensatz zu proprietärer Software kann freie Software auch weiterentwickelt werden, wenn der Hersteller oder Hauptautor den Support für die Software eintellt. Proprietäre Software hingegen wäre an dieser Stelle wirklich tot, FreeHand ist dafür ein sehr populäres Beispiel. Nutzer dieser Software haben ein Problem, wenn sie auf die Software angewiesen sind. Im Bereich freier Software ist es dagegen möglich, dass die Software von anderen Parteien übernommen und weiterentwickelt ist, unabhängig wie gut oder schlecht das Projekt geschrieben und dokumentiert ist. Die Möglichkeit ist vorhanden — und wurde im Falle von Pubwich auch genutzt.

Wer mithelfen möchte, PubwichFork weiterhin aktiv und lebendig bleibt, ist herzlich eingeladen:

Fernost: Wo Zukunft mit Tabellenlayouts bebildert wird

Über einen Tweet der Uni Leipzig wurde ich auf die Kampagnenseite Studieren in Fernost aufmerksam — und entgegen der Erwartungen aufgrund des Namens werden hier Studienmöglichkeiten in den Bundesländern auf dem Gebiet der Ex-DDR (“neue” zu verwenden, kommt mir nach 22 Jahren irgendwie blöd vor, dann lieber “Zone”) beworben.

Fasziniert war ich gleich vom Symbolbild, welches für den Artikel über das Studium der Informatik verwendet wird:

Screenshot: Artikel über Informatikstudium bebildert mit Code für Uralt-Tabellenlayout (vom 2.10.2012)

Man nutzt dort ein Bild von Photocase, welches HTML-Markup für eine Tabelle, abfotografiert vom Monitor, darstellt.

Wenn ich mir das Markup so ansehe — leider ist nur ein kleiner Teil davon einsehbar — dann sieht das ganz stark nach Tabellenlayout aus, mit dessen Hilfe Websites vor Jahren optisch aufgebaut wurden. Zumindest folgere ich das aus den verschachtelten Tabellen und den genutzten Attributen. Genutzt wird das schon seit Jahren nicht mehr, zumindest nicht in professionellen Arbeiten. Tabellen sind nur noch für Tabelleninhalte da. Layout wird ohne Tabellen erzeugt.

Das man nun ein Bild einer sehr sehr alten Technik als Symbolbild für eine Studienrichtung wählt, die eigentlich zukünftige Entwicklungen vorantreiben soll, ist fragwürdig bis unprofessionell. Das der Absatz nach dem Bild mit “Informatik studieren heißt auf ein Zukunftsfeld zu setzen” beginnt, entbehrt nicht einem gewissen (ungewollten) Humor.

Merke: nicht jedes Foto, das mit den Stichworten “information technology internet technology software password computer network” versehen ist, sollte auch für diese Themen eingesetzt werden. Manchmal wäre eine vorherige Beurteilung durch eine Redaktion mit etwas Sachverstand ganz hilfreich.

(Source: twitter.com)

PubwichFork: “Newsroom statt Webseite” beim BrainCamp Cologne 2012

Ansgar Hein von anatom5 und dem Screenguide-Magazin stellt PubwichFork im Rahmen der Session “Newsroom statt Webseite” beim BrainCamp Cologne 2012 vor.

Er geht dabei auf Vorzüge und Einfachheit der Applikation ein, um auf einfache und schnelle Weise verschiedene Social-Media-Kanäle auf einer Seite zu bündeln. Als Beispiel zeigt er den Newsroom von Troisdorf, welcher mit PubwichFork realisiert wurde.

Mehr Eindrücke vom BrainCamp 2012 in Köln gibt es bei Denkwerk und Netzmilieu, als Nachschlag gibt es die Dokumentation aller Sessions bei BrainCamp Cologne.

Ich war nicht in Köln, freue mich aber, dass “mein” PubwichFork vorgestellt wurde. Wer Interesse an mehr Infos direkt vom Entwickler hat, meldet sich einfach :)

Update: bei PubwichFork ist einiges in der Pipeline, offizieller Twitter-JSON-Support, Mobile-Support im Standardtemplate, etc … und ein offizielles PubwichFork-Demo ist inzwischen auch online.

(Source: facebook.com)

Leistungsschutzrecht: Bundeskabinett beschließt Keese

Vor genau einem Monat hatte ich schonmal an dieser Stelle über das seit Jahren geplante Leistungsschutzrecht geschrieben und als Blödsinn befunden. Verleger wollen ihre Geschäftsmodelle nicht ans 21. Jahrhundert anpassen, sondern lieber staatlich unterstützt den heutigen Informationsfluss mit Wegezöllen versehen.

Gestern wurde wurde vom Bundeskabinett in Berlin die Leistungsschutzrechtsnovelle beschlossen. Privatpersonen, Blogger und Verbände sollen wohl zuerst nicht davon betroffen sein, aber die Entwicklung dorthin wäre momentan wohl kaum abschätzbar. Wenn Geld verdient werden kann, wird dann sicher auch mal der eine oder andere Berufsblogger zur Suchmaschine oder Linkportal stilisiert werden.

Und wie bitte soll man denn sinnvoll auf Artikel verlinken, wenn man nicht die Überschrift oder eine andere kurze Wortgruppe dafür verwenden darf? "Bitte klicken Sie hier, da könnte etwas über XYZ stehen, was sie interessieren könnte, sofern heute noch der tt.mm.jjjj ist." Klingt nach Blödsinn und praktisch nur schwer umsetzbar. Dürfen Links dann nur noch manuell gesetzt werden und der Bookmark zu einem Artikel bei irgendeiner Zeitungsseite von mir in meinem Feed wird kostenpflichtig, weil das ja schon Link-Aggregation ist und das evtl. themenrelevant auf meiner Businessseite auftaucht?

Da werden doch nicht nur für die Verleger, sondern auch für eine komplette neue Abmahnsparte Möglichkeiten zum Geldverdienen geschaffen, die alle Graubereiche des Gesetzen für sich nutzen werden. Jede dort fehlende Definition wird irgendjemanden zum Verhängnis. Schon allein deswegen sollte der Bundestag dieses Gesetzt nicht durchwinken. Dass dieses Gesetzt auch noch eine große Portion Innovation in Deutschland verhindern könnte, ist ein weiterer Grund.

Und wenn das sogar Mitglieder der Jungen Union begreifen, die ansonsten ja nicht unbedingt als sehr vorwärtsdenkend wahrgenommen werden, dann frage ich mich, auf was für ein Niveau man daraus für das Bundeskabinett schließen kann. Kein Rückgrat und deshalb vor den kommenden Wahlen vor Springer und Co kuschen?

Und mal nebenbei: in anderen Ländern wird beschlossen, dass die eigenen Bücher aus dem 20. Jahrhundert für die Bürger frei lesbar ins Netz gestellt werden. So sieht 3. Jahrtausend aus!

Weitere Infos und Meinungen

Leistungsschutzrecht: abgeschwächter Blödsinn bleibt trotzdem noch Blödsinn

Das Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse wird seit ungefähr drei Jahren diskutiert, im Juni kam der erste Entwur, und nach heftigen Protest aus unterschiedlichsten Lagern gibt es nun einen aktualisierten Entwurf, wie Breitband berichtet.

Der aktuelle Entwurf schränkt die betreffende Zielgruppe genauer ein: Suchmaschinen. Christoph Keese (President PA Axel Springer AG) findet das natürlich nicht ausreichend, er hätte lieber alle potentiellen “Ausbeuter” der Verlage als Geldautomat. Zumindest noch alle News-Aggregatoren. Denn man beteuert auch, dass man natürlich keine kleinen Blogger oder unsere liebe Wikipedia im Zielkreuz hat. Ob das die Anwälte irgendwelcher obskurer Verlage nach Gesetztesbeschluß auch so sehen, dürfte angezweifelt werden.

Der aktuelle Entwurf klingt nun etwas milder, dieses nationale Leistungsschutzrecht für Verlage bleibt aber Blödsinn, das geht schon bei der angeblichen Begründung des Entwurfs los:

Denn das Geschäftsmodell der Anbieter von Suchmaschinen ist in besonderer Weise darauf ausgerichtet, für die eigene Wertschöpfung auf die verlegerische Leistung zuzugreifen. (Zeit Online “Leistungsschutzrecht zielt nur noch auf Google ab”)

Als ob Google ohne Springer und Co nicht existieren würde, zudem kann man sicher davon ausgehen, dass eigentlich die Inhalte dieses Blogs als Basis des Erfolgs aller Suchmaschinen herhalten müssen. Nicht?

Von den Kinderkrankheiten des Gesetzes mal abgesehen — z.B. wie werden Linktexte und automatische Text-Snippets beim Link in Such- und Newsergebnissen bewertet — oder der Frage, was passiert bei einer Trotzreaktion von Google (Delisten entsprechender Inhalte oder Abschalten von Google News in Deutschland), wirft es eine Menge systembedingter Probleme auf:

  • dürfen Suchmaschinen/Aggregatoren Inhalte lizenzkostenfrei zitieren und verlinken, wenn diese wiederum Links zu und legale Textteile von Verlagserzeugnissen enthalten.
  • müssen Suchmaschinen/Aggregatoren an Verlage Lizenzen abführen, wenn deren Inhalte auf eigentlich lizenzkostenfreien Grundlagen beruhen (z.B. auf Inhalt aus der Blogosphäre)
  • wie erkennen Suchmaschinen/Aggregatoren durch ein Leistungsschutzrecht geschützte Inhalte, und wie würde Verlagen gesetzlich die Kennzeichnung relevanter Inhalte vorgeschrieben
  • wie wird Suchmaschine definiert, ist mein Blog mit Stichwortsuche auch eine Suchmaschine? Ab wann ist man kommerzielle Suchmaschine (oder eben News-Aggregator)

Hoffentlich wird das Gesetz nicht beschlossen — weder in der aktuellen Entwurfsfassung noch in irgendeiner anderen — es wäre nur ein weiterer nervender Innovationskiller und würde am Ende wohl niemanden was bringen - also in Summe ist das Gesetz einfach nur absoluter Keese (preiswert, musste aber sein).

Weiterführende Information und Diskussion zum Leistungsschutzrecht

Weitere Quellen

Meldegesetz: beim Fußball blüht der Schwarzmarkt

Nun, eigentlich ist es kein Schwarzmarkt. Nicht mehr so richtig. Während Italien zu Recht gegen Deutschland bei der EM2012 gewann, beschloss der Bundestag, dass Meldeämter die Adressdaten der Bürger weiter verkaufen dürfen. Falls jemand Einspruch dagegen einlegt, gibt das Gesetz schon die passende Ankaufsbegründung als Schlupfloch vor.

Im “Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens” steht seit der Abstimmung unter 27 Abgeordneten des Bundestages:

(4) Es ist verboten Daten aus einer Melderegisterauskunft zu Zwecken der Werbung oder des Adresshandels zu verwenden,

  1. ohne dass ein solcher Zweck gemäß Absatz 1 Satz 2 bei der Anfrage angegeben wurde, oder
  2. wenn die betroffene Person gegen die Übermittlung für jeweils diesen Zweck Widerspruch eingelegt hat. Dies gilt nicht, wenn die Daten ausschließlich zur Bestätigung oder Berichtigung bereits vorhandener Daten verwendet werden.

Dies bedeutet, dass das ursprünglich geplante Opt-in (ausdrückliche Genehmigung zur Weitergabe der eigenen Daten) in ein Opt-out (man muss der Weitergabe widersprechen) umgewandelt wurde, welches auch noch ausgehebelt werden kann. Der Adresskäufer muss dazu nur angeben, dass er bestehende Adressen überprüft. Ich muss anmerken, dass ich an dieser Stell keine Ahnung habe, ob (und wie) er dies sinnvoll nachweisen muss, oder ob die Behauptung ausreicht. Ein bekanntes Politikmagazin fasst die Konsequenz recht gut zusammen:

Okay, aber kann ich irgendwas dagegen unternehmen?

Im Prinzip jein. Widerspruch ist zwar möglich, aber auch nutzlos. Genausogut können Sie den an Ihre Großmutter schicken, die freut sich doch immer über Post.

Quelle: Titanic “Fragen und Antworten zum umstrittenen Meldegesetz”

Dass es nur 27 Abgeordnete zu dieser Abstimmung geschafft haben, erstaunt zumindest mich, aber vielleicht ist es ja auch keine Besonderheit, dass nur knapp über 4% der eigentlich 620 Mitglieder des Bundestages ihrer Arbeit nachgehen. Klar, war wohl auch keine namentlichen Abstimmung, bei denen man wohl deutlich motivierter ist. Die fast 600 anderen Abgeordneten waren sicher in Besprechungen und Kommissionen, krank, zufällig auf dem Klo, oder mussten sich sicherheitshalber um ihre Nebenjobs kümmern, dass sie nicht erst in die Situation kommen, sich von Industriellen zinslose Kredite für den Hausbau geben lassen zu müssen. Vielleicht möchte man später ja noch für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren. Sicher ist sicher.

Trotzdem, so richtig Lust hatten auch die Anwesenden nicht, denn die Reden wurden nicht gehalten, sondern nur zu Protokoll genommen. Das nennt man dann parlamentarische Diskussion. So blieb man mit 57 Sekunden auch echt rekordverdächtig schnell bei der Abstimmung. Eigentlich war der Bundestag mit knapp 30 anwesenden Mitgliedern auch nicht beschlussfähig, aber wer achtet schon auf Details, wenn der Feierabend ruft.

Glücklicherweise ist das Gesetz noch nicht durch und kann im Bundesrat gekippt werden, und nach der EM gibt es auch wieder öffentliche Kritik und heftiger werdenden Widerstand gegen das neue Meldegesetz, auch aus diversen anderen Gründen — nicht nur wegen dem ausgehebelten Datenschutz.